Ein schwerer Verlust

Der Arbeitskreis hat durch den Tod von Liselotte Kratochvil am 02. Juni 2019 seinen Mittelpunkt verloren. Sie hat den Arbeitskreis ins Leben gerufen. Sie hat die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei ihren Recherchen im Archiv aktiv unterstützt. Sie hatte immer mehrere Eisen gleichzeitig im Feuer und hat ihr Wissen durch Berichte im Rathausboten geteilt.
Sie ist einfach unersetzlich.
Durch ihre schwere Krankheit war es ihr im letzten Jahr nicht mehr möglich, mit dem üblichen Elan nach frühem Morgenspaziergang über die Kocherbrücke an ihre Arbeit zu gehen.
Der Verlust wiegt schwer. Gerade deshalb ist es wichtig, dass ihr Werk weitergeht und zur Veröffentlichung kommt.
Ein erster Schritt dazu war die Veröffentlichung der Instandsetzungsarbeiten der Enslinger Kocherbrücke im Jahr 2017.
Und es geht weiter.
Hermann Kratochvil

Kocherbrücke Enslingen

Fugen offen und Bewuchs
Fugen ausgebrochen und Bewuchs

Sanierung der Kocherbrücke Enslingen 2017

237 Jahre ist sie alt, die Kocherbrücke und steht unter Denkmalschutz. Seit geraumer Zeit ist ihr Zustand nicht mehr des beste – im Gegenteil. Ausgebauchte Stirnmauern, verschobene Gesimssteine und Flügelmauern samt ausgebrochenen Mörtelfugen, abgerissene Stirnringe an den Gewölbeuntersichten und Bewuchs in den Fugen führten neben vielen anderen Schäden bei der letzten Inspektion zur Note 3,8. Damit steht sie zwei Zehntel vor einer Vollsperrung! Eine umgehende Sanierung ist deshalb einzuleiten. Im Auftrag der Gemeinde werden die  Ausschreibungsunterlagen von der Firma Krop Ingenieurbau GmbH, Schorndorfer Str. 37, 73650 Winterbach aufgestellt.

Nach vorangegangener Ausschreibung ergeht der Zuschlag an die Firma Albert Amos GmbH & Co. KG, Daimlerstraße 1, 74336 Brackenheim als wirtschaftlichstem Bieter. Rund 950 000 Euro soll die Sanierung kosten. Zuschüsse bekommt die Gemeinde aus dem Entwicklungsprogramm Ländlicher Raum in Höhe von 395 000 Euro, weitere 215 000 Euro fließen aus dem Ausgleichsstock. Die verbleibenden rund 340 000 Euro hat die Gemeinde selbst zu tragen.

Seit 11. Oktober 2016 steht der Bauvertrag zwischen der Gemeinde Untermünkheim und dem Bauunternehmen Amos. Dort laufen jetzt die Planungen für Personal-, Geräte- und Materialeinsatz. Für diverse Arbeiten werden Subunternehmer beauftragt.

Furt im Kocher
Furt im Kocher

Als „Notbrücke“ werden von der Fa. Fischer, Enslingen Ende September 2016 oberstromseitig 2x zehn Betonrohre je 1 m Durchmesser mit aufgelegten Betonplatten in’s Flussbett gelegt. Sollte diese Furt durch Hochwasser oder Bauarbeiten nicht befahren werden können hat die Gemeinde eine Umleitung über Haagen und Feldwege jenseits des Kochers gesorgt und ausgeschildert.

Am 21. März 2017 treffen sich Bauherrschaft, Planer und beteiligte Firmen an der Brücke zu einer Auftaktbesprechung. Als Baubeginn wird der 24. April festgelegt.
Die Enslinger Bürgerschaft konnte sich am 30. März bei einer Einwohnerinformation im Bürgerhaus über die Planung und Bauablauf informieren.

Die Baustelleneinrichtung am 19.04.2017 mit Büro- und Materialcontainer findet bei mäßigem Wetter statt: die Temperatur liegt tags bei max. 18°C, nachts fällt sie auf min.  3,7°C, der Himmel ist stark bewölkt und leichter

Asphaltschicht zum recyceln abgetragen
Asphaltschicht zum recyceln abgetragen

Niederschlag.
Am Montag 24. April gibt der Polier der Fa. Amos, Paul Maurer grünes Licht zum ersten „Baggerbiss“. Als erstes schiebt Baggerfahrer Alexander Rusch die obere recycelbare Asphaltdecke ab.

Eine Schürfe bei Pfeiler 1 zeigt was drunter zu erwarten ist. Doch kaum begonnen, müssen die Arbeiten am nächsten Tag schon wieder eingestellt werden.

Baustopp für 4 Wochen
Baustopp für 4 Wochen

Die Naturschutzbehörde vom Haller Landratsamt verfügte wegen brütender Gebirgsstelzen, Bachstelzen, Meisen, Amseln und evtl. vorhandenen Fledermäusen sofortigen Baustopp. Diplombiologe Wolf ist beauftragt, das Ganze zu begleiten. Er findet am 27. April in den Gewölbeöffnungen einige streng geschützte und gefährdete Fledermäuse, die ihren Winterschlaf schon beendet haben,

Großes Mausohr
Großes Mausohr   Foto Dipl-Biol. Matthias Wolf

darunter z. B. drei Wasserfledermäuse und ein Großes Mausohr. Sie müssen ihre Quartiere verlassen und werden umgesiedelt. Die Vögel haben es zumindest vorerst besser. Sie dürfen ihre Brut vollenden und die Jungen bis zum Ausfliegen füttern. Dann aber werden auch ihre Niststellen zugestopft. Mehr lesen

Tagebuch Georg Michael Feuchter aus Gaisdorf

Insgesamt vier Tagebücher der Familie Feuchter Gaisdorf vermitteln sporadisch Einblicke in Haus und Hof von 1857 bis 1941.

Februar 1857
Die 1. Tagebucheintragung  datiert auf den 3. Februar 1857. Georg Michael Feuchter ist zu diesem Zeitpunkt 24 Jahre alt und Vollwaise. Der Erstgeborene ist verantwortlich für seine jüngeren Geschwister und für das Unternehmen Landwirtschaft. Finanzrelevante Vorgänge verzeichnet Georg Michael täglich in „dieses Buch“, das er am 7. Februar 1857 erwarb und über einen Zeitraum von 15 Jahren bis 1872 akribisch führte.

Flachswerk, Kernen und Gerste werden verkauft, Getreide und „1 Ctr. Salz“ werden von „Hall heimgenommen“.  Georg Michael verkauft „2 Stück Fichten …. ohne Stock und Äste“ sowie  Eichen und „eichene Prügel“. Im gleichen Februar wird der Verkauf von einem „Kalbelrind braun“, einem Hummel und einem Paar Ochsen verzeichnet.  Auch ein „Bienenstand“ wechselt den Besitzer, der am 20. Februar von Feuchter selbst „nach Haagen geführt“ wird. Georg Michael investiert in ein Paar Ochsen inklusive Draufgeld. Weiter schlagen Trinkgeld, Pflastergeld, Sackträgerlohn und „Verzehr“ zu Buche.

Aktuell weist der private Haushalt kleine Beträge für  Arzt- und Apothekerkosten, darunter „ein Heftpflaster für Fritz“, aus. Auch im Stall ist der medizinische Aufwand minimal. Für den „Darmgichtkranken Fuchs“ werden Salpeter und Glaubersalz besorgt und Schmied Föll in Münkheim fordert „nichts für das kurieren des Pferds“.

Nebenkosten fallen für den Kaminfeger und den Erwerb von  Lampenöl und Wagenschmiere an. Für ihre zweitägige Arbeit vor erhalten der Schneidermeister, sein Geselle und „Jung“ ihren Lohn.

Der Verkauf von „etwas Bettfedern“ an einen Juden bringt 30 Kreuzer in die Kasse. Mehr lesen

Magd Sommer erzählt

Liselotte Kratochvil :  Quelle Pfarramt Enslingen                                                                                            Dezember 2017

Magd Sommer erzählt

Tummelplatz, Fangspiel und mancher Unfug. Im Alter von 68 Jahren sendet die gebürtige Christine Sommer und frühere Magd einen Brief an den Enslinger Pfarrer Fink. In diesem September 1914 erinnert sie ihn daran, dass das Pfarrhaus „auf unserem Tummelplatz wo Frühling und Herbst die ganze Dorfjugend zusammenkam“ stehe. Das „Fangspiel“, auch „mancher Unfug“ hatten das Zeug, sich Ärger einzuhandeln.

Aus ihrem ungebremsten Schreibfluss zwölf Ereignisse:

 

Vom Lämmle „Vom Schäfer Lauterwasser kaufte der Vater damals zwei Mutterschafe und das eine hatte Zwillinge und das Mutterlämmle wurde viel vom andern beim Säugen weggestoßen“. Christines  Bruder Michael „ging oft und auch Nachts in den Stall um dem Kleinen zu helfen“. Als er einmal „Nachts, man hieß es Vorsetz“ spät heimkam „unterließ er“ den sonst üblichen Blick auf das Lämmle „und Morgens war es steif gefroren“, so dass er es „in die Stube“ brachte. „Mutter sagte: es hat vielleicht doch noch Leben und hüllte es in [einen] alten Wollenrok und schob es ins Öfele. Es war noch ein alter Ofen, das Feuer drin war ausgegangen, blos noch warm“. Als Christine ihre „Zöpf zur Schule“ flocht, stand das Lämmle auf und „spazierte wieder ganz nett in der Stube rum“.  Bedenken, dass das Lamm „nicht mit den anderen fortkommen“ könne, da es „weit zurück“ sei zerstreute der Schäfer: er fahre ja wegen den Lämmern immer ganz langsam. Draußen sei es besser als allein im kalten Stall“. Tatsächlich wusste sich das Lamm zu helfen als es „bei einem kalten Schneebutzen zitternd und frierend“ zurückblieb, so dass der Schäfer es „unter seinen Mantel gehüllt“ habe.

Das scheint sich das Lamm gemerkt zu haben, da es „später noch bei Sturm und Regen“ auf den Schäfer „zugesprungen und neben seinen Hund gesetzt“ habe „wie wenn da sein Platz wäre!“ Mehr lesen

Realgemeinde Diebach

Der Diebach

Ursprünglich ist der Hof „Dieppach“ (Markung Enslingen) ein Ensemble aus vier „absonderliche[n] Höffe[n]. (StadtA Schwäb.Hall4/1652).

Die Gebäude sind aufgegangen. Seither wird der Diebach, inzwischen aus Wald, Weg und einem Wiesenstück bestehend, durch die „Realgemeinde Diebach“ in eigener Sache unterhalten und gepflegt.

Auf dem Weg in’s Diebach mit Eugen Ott , Mitglied der Realgemeinde, sind wir auch diesem Baum begegnet:  

Diebachwald
Im Diebach

Interessantes aus Enslingen

Im halbjährig erscheinenden Veranstaltungsprogramm der Geschichts-Werkstatt Förderverein Stadtarchiv und Kreisarchiv Schwäbisch Hall ist der Arbeitskreis Ortsgeschichte Enslingen seit dem Sommerhalbjahr 2005 regelmäßig mit Projekten vertreten. Das Veranstaltungsprogramm umfasst Vorträge, Diskussionsrunden, thematische Stadt- und Archivführungen sowie Workshops.

Marianne ‚Fink Dorfstraße Enslingen

 

 Marianne Fink,                    geboren 1920 als jüngstes Kind der Pfarrerseheleute Wilhelm Fink und Hedwig, geb. Teufel in Enslingen, geht früh ihren Neigungen der Malerei, Gestaltung von Puppenköpfen und Schnitzereien nach.

Das von ihr gemalte Motiv der „Dorfstraße in Enslingen“ erzählt zugleich von ihrer Kindheit und Jugend im Pfarrdorf Enslingen, wo ihr Vater 1908 die Pfarrei bezieht.

Marianne studiert von 1938 bis 1942 „freie Kunst“ in Stuttgart.  Eine Existenz als Künstlerin ist ihr in der Kriegs- und Nachkriegszeit nicht gegeben. Ihr öffentlich künstlerisches Engagement beginnt  nach ihrer beruflichen Laufbahn als Zeichen-Werklehrerin an verschiedenen Schulen. In Blaubeuren findet 1985 die Uraufführung „Schöne Lau“ statt. Da ist Marianne Fink 65 Jahre alt und Ruheständlerin.  Die Marionetten sind – wie auch die textile Raumgestaltung – aus eigener Hand gefertigt.

Hommage an Enslingen

Mit ihrem Drehbuch zum Marionetten-Spiel „Das Nixlein Wirrliwell“ erinnern sich die beiden Schwestern Gisela Stübler (Augsburg) und Marianne Fink an ihre „Kinderheimat von 2 Generationen in einem kleinen Dorf im Kochertal, in der Zeit zwischen 1920 und 1950 (Enslingen)“.

00 Marionettenspiel Nixlein Wirrliwell
Marionettenspiel Nixlein Wirrliwell

 

Von der Künstlerin und ihren Werken gibt es in loser Folge mehr zu zeigen und zu berichten.

 

Herzlichen Dank Georg Stübler und Gisela Stübler für das zur Verfügung gestellte Material aus dem Nachlass ihrer 1997 verstorbenen Tante Marianne Fink