25.Oktober 2007: „Einem Menschen Nächster sein“

Zu den Anfängen DIAK
Zu den Anfängen des Diakoniehauses

Am 25. Oktober 2007 berichtet Dr. Heike Krause von den Anfängen des Diakonissenhauses Schwäbisch Hall.

„Einem Menschen Nächster sein“

Im Dezember 1890 wurde in Enslingen die zehnte Gemeindestation des Diakonissenhauses in Schwäbisch Hall eröffnet. Erst vier Jahre zuvor hatte Pfarrer Hermann Faulhaber seine Idee von einem Diakonissenhaus mit

angeschlossenem Krankenhaus verwirklichen können, um dort Schwestern für die Pflegearbeit in ländlichen Gemeinden auszubilden.

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Diakfamilie 1890
Quelle: Diakarchiv

Als Reiseprediger der südwestdeutschen Konferenz für Innere Mission hatte Faulhaber die vielfältigen Aktivitäten in Kirche und Diakonie kennen gelernt; er wusste aber auch um die Defizite. Gerade die häusliche Kranken-, Alten- und Armenpflege, vor allem in ländlichen Gebieten, lagen oft im Argen.

Doch die ersten Gemeindeschwestern mussten gegen Vorurteile in der Bevölkerung und in der Ärzteschaft ankämpfen. Erst im Laufe der Jahre akzeptierte und wertschätzte man die Arbeit der Schwester, und sie stieg im Sozialverband zu einer wichtigen und geachteten Persönlichkeit auf.

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Gemeindeschwester 50-60er Jahre
Quelle: Diakarchiv

Ausführliche Informationen zum Geschichte des Ev. Diakoniewerks Schwäbisch Hall und der Gemeindediakonie erhalten Sie:

Heike Krause: „Einem Menschen Nächster sein“ – Die Geschichte des Evangelischen Diakoniewerks Schwäbisch Hall. Schwäbisch Hall 2005.Zu beziehen über den Buchhandel.

 

 

Über die Gemeindeschwestern in Enslingen folgt noch ein Bericht von Ursula Worbes.

Ursula Worbes – für Web …. Text „Gemeindeschwestern in Enslingen“

 

 

In jedem Bürgerhaus gab es 1 Hilfskasten, da waren die wichtigsten 1. Hilfemittel enthalten. Enslingen hatte keinen Arzt vor Ort.

Am 17. Mai 1890 wird der Vorstand des Diakonissenhauses, Pfarrer Faulhaber, dringend vom Kirchengemeinderat Enslingen und Pfarrer Mayer um eine Diakonisse in Enslingen gebeten. Eine „hübsche Wohnung“ stehe zur Verfügung, „zu tun“ werde die Schwester „stets haben, da es hier immer Kranke gibt“.Armut (Keuschheit), Ehelosigkeit und Gehorsam sind das Gelöbnis der Diakonissen. Ihre Arbeit übt sie aufgrund der Ordnung in aller Treue, mit stillem Wesen, jedermann ob arm oder reich aus. Auch darf sie für sich keine Geschenke entgegennehmen, wohl aber für das Diakonissenhaus, für die Station, sowie auch für die Armen, die sie pflegt.

 Pauline Schiefer

Am 08.12.1890 zieht die 1. Gemeindeschwester, Pauline Schiefer bei Familie Difflipp ein.Das Mobiliar wurde vom Diakonissenhaus gestellt, die Tracht musste Pauline Schiefer selbst finanzieren. Mit 5 Mark Taschengeld für persönliche Gegenstände wohnt und arbeitet die ledige Schwester in schwarzer Tracht mit weißer Haube mitten im Dorf und inmitten der Familien.

Arbeit der Diakonisse Zuständigkeiten:

Der Pfarrer des Diakonissenhauses wählt aus, beruft oder abberuft die Diakonissen nach ihren Fähigkeiten und Notwendigkeiten;1890 dem Ortsgeistlichen unterstellt, Verständigung mit dem Pfarrer in Untermünkheim;  Beachtung der Anordnungen und Vorschriften des behandelnden Arztes: enge Zusammenarbeit 1933 und 1934 mit Ärzten Dr. Müller und Dr. Binder;

1920 Vertrag Diak mit KGde Ensl u Uheim, später bürgerliche und kirchliche Gemeinde

Unterbringung

Privat in Mieten, /….zum Schluss: Schwesternhäusle

Lene Klenk

Lene Klenk tritt 1894 ein. Als sie sich zur Ruhe setzte warb sie ihre Nichte als ihre Nachfolgerin.

Pauline Klenk

Pauline Klenk aus Enslingen, tritt 1937 ins Mutterhaus, 1939 Schwesternschaft

Rösle Beißwenger

Mobilität 2 Räder

Rösle Beißwenger. 1933 fragt Pfarrer Fink höflich beim Vorstand des Diaks an, ob Schwester Rösle Beißwenger für die Diakoniestation anschaffen könne und bittet um Erlaubnis zum Radfahren zwischen Enslingen und Untermünkheim. Der Gemeinderat will es zur Verfügung stellen (50.-), für die Reparaturen zeichnet sich der (Fahrrad-)händler Johann Bauer zuständig. Nach Klärung von Versicherungsfragen bekommt Rösle Beißwenger ein Fahrrad

1946 Emilie Zimmer

Emma Wieland : 1949 – 1957

Mobilität 2 motorisierte Räder

Schwester Emma Wieland , geb. 29.3.1895 in Backnang, 1923 im Mutterhaus, wollte keinen Motorrad-Führerschein machen, ihr wird 1957 ein „ziemliches neues, wenig gebrauchtes Moped zum Preis von 370 DM von Bürgermeister und Gemeinderat zur Verfügung gestellt.

Bis 14.Febr. 1958: Frida Rösch, geb. 7.6.1906 (nach der Entlassung aus dem Krankenhaus kann sie nur noch leichte Arbeiten im Diak verrichten)

Elise Fröscher

Mobilität 4 Räder

Elise Fröscher möchte 1958 „ihrer Gesundheit wegen nicht Motorrad oder Moped fahren“. Am 5. Oktober 1958 steht ein NSU – Fiat 500 grün zur Verfügung, finanziert durch die Gemeinde Enslingen und Untermünkheim. „bei diesem großen Bezirk, den die Gemeindeschwester zu betreuen hat“ genüge ein Fahrrad oder Leichtmotorrad nicht mehr. Außerdem möchte sie einen kleinen Herd zum Backen für ihre neue Schwesternwohnung in Enslingen April 1958

Lina Bischof

….. statt in Privathäusern zur Miete: Schwesternhäusle

Lina Bischof nimmt ihren Dienst am 3. November 1961 in Enslingen auf. 1940 ins Mutterhaus eingetreten, 1965 in Enslingen, „Sie erfährt viel Freundlichkeit und Liebe am Ort ihres Dienstes und ist gut versorgt mit allem was sie braucht… + am 7. November 1984 .beerdigt auf dem Schwesternfriedhof

Arbeitsfeld

1933 muss eine Lungentuberkulose Fürsorgestelle eingerichtet werden. Immer mehr Menschen leiden unter Trunksucht, Geschlechtskrankheiten, Krebskranke, Krebsverdächtige. Es gibt eine Gebrechlichenfürsorge.

1940 werden in Enslingen und Untermünkheim 190 Kranke gepflegt, 6 Nachtwachen, 437 Krankenbesuche, 121 Hilfsleistungen angeführt

1942 meldet die Kindergartenleiterin in Enslingen Fälle von Kopfläusen, Kleiderläusen, Wanzen, Krätze u. dergl. die Gemeindeschwester wird um sofortige Maßnahmen gebeten

1966: 247 Kranke im Bereich Enslingen- Untermünkheim bei einer Einwohnerzahl von 1650

9 Nachtwachen, 5 x Hilfe bei Unfällen, 19 x Hilfe in der Haushaltung = insgesamt 5494 Stundenpflege. Es wurden dafür keine Gebühren erhoben.

 

Die Arbeit der Gemeindeschwester vor Ort ist von Veränderungen geprägt.  Zum Einen bringt der Wechsel in der Zuständigkeit für die Station bürokratische Hürden mit sich. Wechsel bestimmt auch die Bleibe der Schwester von privater Unterbringung bis hin zum Gemeindeeigenen „Schwesternhäusle“.

 

 

Charlottenschrank Bild 1 Frau Worbes.
Charlottenschrank, auch Hilfskasten genannt
Quelle: Diakarchiv
Ursula Worbes zu Die Gemeindeschwestern

Aktuell geht Johannes Luithle mit der Vertreterin der Diakoniestation auf das Heute ein.