Schreinermeister Christian Friedrich Taubenberger

Auswanderung Schreinermeister

 

Die Spurensuche nach seinen Verwandten führte den Autor Ulrich Kircher auch in das Gemeindearchiv Enslingen. Seine umfassende Forschung stellt Ulrich Kircher dem Projekt Ortsgeschichte Enslingen zur Verfügung. Vielen Dank Herr Kircher!

Das Leben des Schreinermeisters  Christian Friedrich Taubenberger aus Beltersrot 

Johann Leonhard Taubenberger (1840 – 1909), der Vater von Christian Friedrich Taubenberger,  kam 1872 nach Beltersrot  durch die Heirat mit der  Marie Friedericke Katharine geb.  Schmidt (1843 – 1882) aus Beltersrot. Der Vater von Leonhard ist ein Söldner (Landarbeiter) aus der Lohmühle bei Waldenburg  gewesen.   Leonhard und Marie Taubenberger kauften sich in  Beltersrot  ein kleines Söldnergut und vergrößerten es nach und nach. Aus dieser Ehe mit Marie wurden 7 Kinder geboren,  von denen aber nur ein  Mädchen und ein Junge erwachsen wurden.    Nach nur 10 Jahren Ehe starb Marie im Jahr  1882. Leonhard heiratet daraufhin  1883 Christine Truckenmüller  aus Vogelteich, Gemeinde Oberfischach.  Sie war die Tochter eines Schneiders, ihre ältere Schwester Margaretha hatte 1872  den Weber Friedrich Schmidt aus Beltersrot geheiratet.  Friedrich war wiederum der Bruder von Leonhards erster Frau Marie.

Am 1. Juni 1884 wurde dann  Christian Friedrich, das einzige Kind aus der  zweiten Ehe, geboren.  Friedrich wuchs in Beltersrot auf und besuchte dort die Volksschule. Im Winterschulverzeichnis  von Beltersrot 1898/99 wurde bei Friedrich vermerkt,  dass er am 5. Februar 1899 nach Untermünkheim übergeben wurde.  Wahrscheinlich begann er dort  eine Schreinerlehre.

Am 3. Oktober 1908 heiratete Christian Friedrich Taubenberger die Heilbronnerin  Lina Augusta Sammet. Die Beiden ließen sich in Westernach nieder und betrieben dort eine Schreinerei.

Haus Westernach ca 1918
Haus Westernach ca 1918

Die Schreinerei  war  im heutigen Gebäude Lindenstraße 8. Um 1918 war es  ein  einstöckiges Haus mit Satteldach. Später wurde noch ein Stock aufgesetzt und das Gebäude hat nun ein Mansarddach mit Krüppelwalm. Es ist heute  nicht mehr als das Haus von 1918 zu erkennen.

Luftbild Westernach
Luftbild Westernach

Nach dem Ersten Weltkrieg zogen Taubenbergers  am 16. Januar 1919 nach Heilbronn. Im Standesamtsverzeichnis  Heilbronn wird Friedrich als Schreinermeister bezeichnet. Es ist anzunehmen dass  er in Heilbronn seine Meisterprüfung im Schreinerhandwerk abgelegt hatte. Friedrich und Lina hatten  keine eigenen  Kinder,  deshalb adoptieren sie am 11. Januar 1921 in Heilbronn  den   unehelichen Sohn der Marie Koppenhöfer aus Waldenburg.  Das Kind hatte den Namen Hans Walter und  wurde am 3. Oktober 1918 in Stuttgart geboren.  Auch das Pflegekind Sofie Kübler lebte bei ihnen im Haushalt. Sofie wurde  als uneheliches Kind  der Dienstmagd  Sofie Kübler aus Untermusbach bei Freudenstadt  am  30. Mai 1905 geboren. Das Kind lebte auch zeitweise in Beltersrot bei Leonhards älteren  Schwester und deren Mann, Rosine und Johann Kircher. Wie Sie aber ins Hohenlohische  kam konnte noch nicht schlüssig geklärt werden.

Taubenberger in Enslingen

Am 27. Januar 1921 zogen Taubenbergers  nach Enslingen,  Kreis Schwäbisch Hall, und  kauften dort  im heutigen Brückenweg 7 ein zweistöckiges Wohnhaus. Der vorherige Besitzer  war Johann Friedrich Hessentaler (1849 – 1933) aus Tüngental.Im Gemeindearchiv von Enslingen hat sich ein  Wertzuwachssteuerbescheid vom 30. Mai 1934 erhalten. Daraus ist ersichtlich, dass sie ein Wohnhaus, einen  Keller, ein Fischwasser  und verschiedene Grundstücke erworben  haben.   Der Kaufpreis am  18. November 1920 betrug 27.000 Reichsmark. In einem weiteren Vertrag  vom 11. März 1921 werden 8.167 Reichsmark genannt.

Haus Enslingen ca 1950
Haus Enslingen ca 1950

Das erworbene Gebäude, auf einem späteren Foto Anfang der 1950er Jahre.

Das Haus lässt sich bis ins Jahr 1572 zurückverfolgen, ist aber in der Nacht zum  5 August  1789 bis auf den unteren Stock abgebrannt und wurde im  darauf folgenden Jahr wieder neu aufgebaut.

Friedrich betrieb in Enslingen wieder eine Schreinerei.

Im Gemeindearchiv Enslingen  liegt eine Rechnung von Friedrich Taubenberger  an die Gemeinde Enslingen vom 10. Oktober 1926. Der Text lautet: „Am Denkmal einen Zaun angebracht 6 m lg samt Türe angeschlagen sämtliches Holz dazu 26,50 (Mark)“.

Rechnung Denkmal 1926
Rechnung Denkmal 1926

Das in der Rechnung erwähnte Denkmal war ein Kriegerdenkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges. Es wurde aus freiwilligen Spenden der Bevölkerung  errichtet. Im Gemeinderat wurde dann am 16. Januar 1922 beschlossen : „Die erforderlichen Beträge zur Anschaffung  einer dem Denkmal  würdigen Umzäunung  entweder in Eisen oder Eichenholz auf die Gemeindepflege  (Kasse) zu übernehmen.“ Am 29. Oktober 1922 wurde dann beschlossen, dass der  Schreiner Taubenberger für 6 Meter Zaun und eine Tür 26,50 Mark erhält.  Maurermeister Butzer erhielt für das Anbringen  eines Zementsockels unter dem Zaun 11 Mark.  Der Schmied Frank verzichtete, für das Richten der Gartenstöcke auf eine Bezahlung.

Auswanderung nach Amerika 

Im Jahr 1926 entschied  sich die Familie Taubenberger in die USA  auszuwandern.  Aus einer  Passagierliste  der  SS Hamburg vom 5. November 1926 ist ersichtlich, dass am Anfang nur Friedrich über Hamburg in die Vereinigten Staaten auswanderte.  Im Jahr 1927 folgte ihm dann seine Familie nach Amerika. In einer  Passagierliste der SS New York vom 9. Dezember 1927 sind dann  Lina und Hans Taubenberger  sowie  Sofie Kübler aufgeführt.

SS  New York 1
SS New York 1

 

An die Familie Kircher in Beltersrot  sendeten  sie eine Postkarte der SS New York mit der  Aufschrift: „Hier sende ich euch z (um) Andenken unser Schiff mit welchem  wir gefahren sind.“

Zurück wegen Grundstücksverkauf 

1934 kam Friedrich nach Deutschland zurück um sein Haus und den Grundbesitz in Enslingen zu verkaufen.  Die Käufer waren Johann und Wilhelm Kurr, Karl Baumann und Georg Schwab. Der Kaufpreis für das gesamte Anwesen betrug  am 30. Mai 1934 5.100 Reichsmark.

Aus einer Passagierliste der SS Albert Ballin  vom 21 Juni 1934 ist ersichtlich das er von Hamburg wieder in die USA ausgereist ist.

Der große Unterschied des Kaufpreises 1920/21 von 35.167 Reichsmark zu 1934 von 5.100 Reichsmark, lässt sich mit der starken Preissteigerung und der beginnenden Inflation nach dem ersten Weitkrieg erklären.

Das Statistische Bundesamt hat  einen Preisindex zur Preisentwicklung von 1800-1973 aufgestellt. Dort wird 1913/14 mit 100 angenommen. 1920 war der Index bei 1044 und 1921 bei 1337.              Die Inflationsjahre  1922/23  wurde wegen der starken Preissteigerungen nicht erfasst. Als 1924 die Renten bzw. Reichsmark wieder stabilisiert war, lag der Preisindex bei  130,8. 1934 fiel der Index dann wieder auf 121,1.

Denn größten Teil des Verkaufspreises legte Friedrich bei der Landwirtschaftsbank in Stuttgart an. Er wollte es nach seiner Rückkehr in die USA überweisen.  Das Landesfinanzamt in Stuttgart sperrte sein Konto aber wegen der „ernsten Devisenlage des Deutschen Reiches“. Von 1936 gibt es im Gemeindearchiv Enslingen einen Briefwechsel zwischen Friedrich Taubenberger und  Schultheis Kraft aus Enslingen.  Vom  Verkaufspreis des Anwesens sind noch 218 Reichsmark  Wertzuwachssteuer an die Gemeinde zu entrichten, im  Steuerbescheid  wird ein Wertzuwachs von 2175 Mark errechnet. Den Wertzuwachssteuerbetrag  erhielt die Gemeinde dann, nach verschiedenen Schreiben zwischen Taubenberger, dem Finanzamt, der Landwirtschaftsbank und dem Deutschen Gemeindetag Landesdienststelle Württemberg, aus dem gesperrten Konto.

Schultheis Kraft  versuchte, aufgrund einer Bitte von Friedrich Taubenberger, das Konto bei der Landwirtschaftsbank frei zu bekommen.  Die Dienststelle des Landesfinanzamtspräsidenten lehnte aber das Ersuchen am  16. September 1936 ab.

Neustart in Wirtschaftskrise USA 

Als die Familie Taubenberger   auswanderte begann auch in den USA die Weltwirtschaftskrise. Sie hatten am Anfang  große Schwierigkeiten sich eine neue Existenz aufzubauen.  1929 lag die Arbeitslosenquote noch bei 3%, bis 1933 stieg sie dann auf 24,9% an. Ähnlich war es bei der Industrieproduktion. Diese ging  in den USA um 46,8% und in Deutschland um 41,8% zurück.

In einem handschriftlichen Brief vom 13 August 1936 an Bürgermeister Kraft  von Enslingen schrieb Friedrich,  dass er seit seiner Rückreise im Juli 1934 ohne Arbeit sei und im letzten Sommer 8 Wochen gearbeitet aber sehr wenig verdient habe und auf geliehenes Geld von Freunden angewiesen sei. Wegen des  gesperrten  Guthabens  bei der Deutschen Landwirtschaftsbank in Stuttgart wandte er sich an das Deutsche Konsulat. Für das Schreiben auf der Deutschen Botschaft musste er 5 $ und für den Notar 2 $ bezahlen, eine Antwort hatte er jedoch nicht bekommen. Ob Friedrich sein Guthaben in Deutschland noch erhalten hat  konnte noch nicht abschließend geklärt werden.

Ulrich Kircher Beltersrot   Juli 2014

Quellen:

Gemeindearchiv Kupferzell  Bestand Westernach

Stadtarchiv Heilbronn

Gemeindearchiv Enslingen

Enslinger Häuserbuch Gemeinde Untermünkheim 2011

Eike Pies :  Löhne und Preise von 1300 bis 2000  Verlag Brockhaus Wuppertal 2008

Wikipedia  Weltwirtschaftskrise