Schule in Enslingen

33 435 Enslingen  - Schulklasse
Foto Stadtarchiv Schwäb.Hall
Schulkasse 1927

Fritz Kraft:

Schule in Enslingen

In einer Ortsgeschichte darf ein Beitrag  zur Schule nicht fehlen.

Als Quellen dienten Akten aus dem Gemeindearchiv Enslingen, dem Archiv der evangelischen Kirche Enslingen, dem Kreisarchiv und dem Stadtarchiv von Schwäbisch Hall.

Anfänge

Schon während des Dreißigjährigen Krieges lässt sich eine Schule in Enslingen nachweisen. Der Lehrer Leonhard Schenk wechselt 1635 nach Bibersfeld, wo er bald stirbt. Johann Wolfgang Weber kam im selben Jahr von Hall, wechselt aber schon nach 3 Monaten nach Altdorf. Georg Krauss von Ehingen löst ihn ab.Jakob Rappolt ( 24. August 1650 – 1. Mai 1687 ) unterrichtet eine lange Zeit in Enslingen. Johann Joseph Gross, der Sohn eines Ratsherrn von Schwäbisch Hall, bleibt bis 1693. Johann Ezechiel Seckel ( ab 11. Nov. 1693 ) und Kasper Müller ( ab 28. April 1696 ) sind die nächsten Lehrer. Johann David Büher kommt 1725 von Schwäbisch Hall. Friedrich David Vollas, ab 1778 im Dienst, wird am 23. November definitiv als Lehrer angestellt und wechselt später nach Thüngenthal. Johann Friedrich Frey, der Sohn des Lehrers von Geislingen, unterrichtet ab 20. Juli 1799 in Enslingen.

Diese Lehrerliste ist wahrscheinlich nicht vollständig.

Vom Schullehrer Johann Friedrich Frey erfahren wir, was ein Schullehrer in Enslingen damals verdiente, welche Aufgaben er sonst noch hatte und nach welchen Büchern gelehrt wurde.   Auf Verlangen des S.T. Herrn Pfarrers Rüdinger  in Enslingen hat Unterzogener folgendes Verzeichnis den Ertrag des Enslinger Schulmeisters betreffend gehorsamst aufsetzen sollen.

01 1803 Johann Friedrich Frey Besoldung
Besoldung Lehrer J.F. Frey

 

A: Von einem Hochedeln Magistrat der Stadt          Hall erhält ein zeitlicher Schulmeister zu Enß-            lingen  folgende Besoldungs Stücke:

1.)       An Geld Besoldung jährlich 16 Gulden            Zulage  10 Gulden. Beedes wird von der Wohllöblichen  Oberland – Heiligen Pfleeg zu Hall bezahlt.

2.)       An Holz  4 Klafter Laubholz, 200 Bund Reißig, dieses wird von dem Hochlöblichen Amt Kochen –

Eck in dem Herrschaftlichen Wald angewiesen. Wofür aber ein zeitlicher Schul-meister von jeder Klafter, wie auch von 100 Bund Reißig 52 bis 56 Kreuzer Macherlohn bezahlen muß.

3.)       An Früchten jährlich   2 Scheffel Dinkel, 1 Scheffel Korn oder 4 Vierling beedes wird auf dem Kasten zu Hall gefasst.

4.)       Wegen Ausfertigung der Heiligen Rechnung für die Altar-Tücher zu waschen, für Kirchweyh Geld, Lichter zur Uhr, Besen zur Kirch und Schulstube zus. jährlich von Wohllöblicher Oberland Kirch Pfleeg: 3 Gulden 21 Kreuzer

5.)       Von Wohllöblichem Bau – Amt jährlich zur Uhr und Glocken  1 Pfund Baum – Öhl.

B: Von der Gemeind des Dorfs Enßlingen

1.)       Schul Geld von 50 Schülern Quartaliter von jedem 12 Kreuzer thut über Winter auf  2 Quartal  20 Gulden;

2.)       Messner Geld jährlich 2 Gulden 32 ½ Kreuzer

3.)       Sommer Schul Geld ohngefehr 5 Gulden

4.)       Accdidentien jährlich ohngefehr  9 Gulden

5.)       2 Klafter Holz von Eichen

6.)       Ein Kraut Beet und ein Gras Boden

7.)       Ein kleines Sommer Gärtlein

8.)       Muß ein zeitlicher Schulmeister zu Enßlingen alle 14 Tag mit dem Herrn     Pfarrer, oft bei dem schlimmsten Weg und Wetter, auf das nach Münk-heim gepfarrte Filial Übrigs – Hausen und alda vor den geringen Lohn von 12 Kreuzern das  Gesang führen, welches jährlich beträgt:     4 Gulden 30 Kreuzer

——————————–

Suma             70 Gulden 23 ½ Kreuzer

 

01_01
Bücher in Enßlinger Schule

Die Zahl der Schüler ist 50. Von welchen aber  8 dieses Frühjahr aus der Schule gelassen worden sind.Die Bücher worüber in der Enslinger Schule gelehrt wird , sind folgende: 1.)       Das sogenannte Hällisch ABC oder Nahmen Büchl  zur Benennung der Buchstaben und Buchstabieren. 2.)       Die Psalmen, das Büchlein Sirachs, die Bibel und das Schw. Hällische Gesang- Buch zum lesen. 3.)       Der kleine Katechismus Lutheri  4.)       Der vermehrte Katechismus oder der so genannte dicke Hällische Katechismus beede zum auswendig lernen. 5.)       Lernen die Kleinen nach Vorschriften die Buchstaben und gehörig zusammen sezen 6.)       Lernen die Größern nach Vorschriften und auch Büchern schreiben, da ihnen hernach die Fehler gesagt, erklärt und corrigirt werden.  7.)      Lernen sie das Ein mal eins auswendig, bey welchem ihnen auch dessen gebrauch gesagt und anwendbar gemacht wird.              Enßlingen, den 27. April 1803,   Johann Friedrich Frey, Schulmeister daselbst

Klafter Holz
Foto Privat

Aus den Besoldungsbeschreibungen ist also ersichtlich, dass ein Schullehrer von der Herrschaft, der Gemeinde, der Heiligen Pfleg zu Hall und den Bürgern in Geld und Naturalien entlohnt wurde

In einem Schreiben vom 27.4.1805 wird um den Fuhrlohn gestritten, den die Gaisdörfer Bauern vom Schulmeister erhalten sollen für die Zufuhr von 2 Klafter Holz und 100 Wellen Reisig. Dieser Fuhrlohn wurde vorher von der Herrschaft bezahlt und sollte jetzt vom Schullehrer bezahlt werden. Das damals zuständige Stabsamt Rosengarten mit Sitz in Steinbach schlichtet schließlich – verpflichtet die Gaisdörfer, die verweigerten Fuhren zu leisten und den Schul-meister, den Fuhrlohn zu bezahlen. Unterzeichnet auch von:  Schultheiß Laidig von Geistdorf,  Schultheiß Obermüller in Enßlingen und  Schultheiß Reichert in Schönenberg.

Die Schulaufsicht lag bei der Kirche.

Beurteilt wurden z.B. die Amtsführung in der Schule ( Kenntnisse, Lehrgeschick, Fleiß, Schulzucht ) und in der Kirche als Mesner, Organist und Vorsänger, ebenso seine sittliche Aufführung, sein Charakter, sein Benehmen gegen den Geistlichen und die Gemeinde.

Auszüge aus verschiedenen Visitationsberichten: Spricht und schreibt seine Muttersprache richtig…..Im Allgemeinen wird ihm das Prädikat mittelmäßiger Schulkenntnisse erteilt …..Er führt eine friedliche Ehe und ist ein treuer Familienvater …….Er kleidet sich anständig

Unzufriedenheit im Ort: Die Enslinger waren wohl nicht immer mit den Leistungen ihres Schulmeisters zufrieden und forderten die Einräumung des Wahlrechts auf ihren Schuldienst. Dieses wird ihnen aber nicht genehmigt.

Antwort im Namen des Königs:  Zitat: Ministerium des Kirchen – und Schulwesens, Königlich evangelisches Consistorium, Im Namen des Königs: Das gemeinschaftliche Ober Amt Hall hat die Gemeinde Enslingen mit ihrem Gesuch auf  Einräumung des Wahlrechts auf ihren Schuldienst, das sie niemals besessen hat, ein für allemal abzuweisen.      Stuttgart, den 28. Mai 1826

Sorge in Hall: Dass sich auch der Magistrat in Hall sorgte um den regelmäßigen Schulbesuch und die Einführung des neuen Katechismus, zeigt ein obrigkeitliches Dekret und landesväterliche Erinnerungen an die Untertanen auf dem Lande:

02_01
1793. Obrigkeitliches Dekret

In einer Verfügung des Königlichen Ministeriums des Kirchen – und  Schulwesens vom 22. Mai 1880 über die Handhabung der Schulzucht in den Volksschulen ist in den §§ 7 – 9 die körperliche Züchtigung genau geregelt.

§ 7

Körperliche Züchtigung ist nur zulässig wegen beharrlichen Unfleißes oder gröberer sonstiger Verfehlungen, insbesondere solcher,  in welchen boshafter Muthwille, Trotz, Widerspensigkeit, Rohheit, Frechheit, Impietät, Lügen-haftigkeit, Unredlichkeit, Schamlosigkeit oder andere Laster zu Tage treten.  Bei Mädchen soll die körperliche Züchtigung thunlichst vermieden werden.  Unter allen Umständen soll von der körperlichen Züchtigung ein mäßiger und vorsichtiger Gebrauch gemacht, die Eigenart des zu bestrafenden Kindes berücksichtigt und darauf sorgfältig geachtet werden, dass die Gesundheit desselben keinen Schaden leide. Jede andere Art körperlichen Züchtigung, als die in § 8 und 9 bezeichnete, ist untersagt; namentlich dürfen die Schüler nicht auf andere Körpertheile, als nach § 8 und § 9 gestattet ist, z. B.nicht an und auf den Kopf, auf den Nacken, oder Rücken, auf die Fingerspitzen u. s. w. geschlagen, nicht an den Haaren gerauft oder sonst in irgend einer Weise körperlich misshandelt werden. Die in § 8 und 9 festgesetzte Strafgrenze darf im Laufe eines Vormittags oder Nachmittags nicht überschritten werden; ebenso ist die Überschreitung derselben mittelst Vertheilung eines höheren Betrags auf mehrere halbe Tage oder Tage unstatthaft. Die körperliche Züchtigung darf nur im Schullokal und nur im freien Raum desselben, niemals aber innerhalb der Schulbänke vollzogen werden; die Schüler sind vielmehr zudiesem Zwecke jedes Mal besonders hervorzurufen.

§ 8

Die einfache körperliche Züchtigung besteht in Schlägen mit einem dünnen, etwas biegsamen, knotenfreien Stöckchen von mäßiger Länge auf die innere Fläche der Hand, deren Anzahl bei älteren Schülern nicht über vier, bei jüngeren und schwächeren nicht über zwei betragen darf.

Diese Strafe darf nur vom Lehrer selbst und nur in Gegenwart anderer Schüler vollzogen werden..

§ 9

Die geschärfte körperliche Züchtigung besteht in Schlägen mit einem dünnen, etwas biegsamen, knotenfreien Stöckchen von mäßiger Länge auf die innere Fläche der Hand, deren Anzahl die in § 8 angegebene übersteigt, aber nicht über sechs betragen darf; oder in Schlägen mit einem ebensolchen Stöckchen auf das nicht entkleidete Gesäß mit Vermeidung des Kreuzes, deren Anzahl nicht über 8 betragen darf. Die geschärfte körperliche Züchtigung ist nur bei Schülern, welche das zehnte Lebensjahr überschritten haben, und zwar die letztere Art ( Ziff. 2 ) nur bei Knaben zulässig. Auch darf die letztere Art der Züchtigung nur in Anwesenheit einer Aufsichtsperson stattfinden. Die geschärfte körperliche Züchtigung soll in der Regel durch den Lehrer vollzogen werden, ausnahmsweise kann, wenn an der betreffenden Anstalt ein eigener Schuldiener angestellt ist, der letztere von der die Strafe verhängenden Behörde mit der Vollziehung beauftragt werden. Die geschärfte körperliche Züchtigung kann vor der versammelten Schule vollzogen werden.

Ob dies in Enslingen häufig angewendet werden musste, ist nicht überliefert.

03_01
1843: Das neue Schulhaus Enslingen

 

Schulgebäude

 

Als Schulhaus diente vor dem Jahr 1842 ein Gebäude, das an die Kirchmauer angelehnt war und in der Grundfläche nicht größer als etwa 54 m² war.

 

 

 

Im Jahr 1843  wurde dann ein neues Schulhaus erbaut an der Stelle, wo nach dem Lageplan das Haus des Schreiners Feuchter stand.

In der Schulstube für 92 Kinder sieht man schon die Aufteilung in Ober- und Unterklasse.

03_02
Klassenzimmer im Schulhaus

 

 

 

 

Zwischen 1860 und 1900 hatte die Gemeinde Enslingen (Enslingen, Gaisdorf und Schönnenberg ) zwischen 530 und 575 Einwohner und zwischen 60 und 100 Schüler.

 

Z. B. im Jahr 1883:

Enslingen: 378 Einwohner, 62 Familien, 59 Schüler

Gaisdorf:   110 Einwohner, 16 Familien, 15 Schüler

Schönenberg: 84 Einwohner, 11 Familien, 18 Schüler

Insgesamt: 572 Einwohner, 89 Familien, 92 Schüler

0406 am schulhaus klohäusle
Am Schulhaus Klohäusle
Foto Privat

 

Im Jahr 1906 wurde der Treppenaufgang angebaut und somit Platz geschaffen für ein zweites Schulzimmer im EG. Auch eine Toilette für die Schüler und eine Waschküche wurde gebaut. Dieses Gebäude wurde 1952/53 abgerissen und erneuert.

In einer „Übersicht über das Ergebnis der amtsärztlichen Besichtigung“ der Volksschule Enslingen vom 23. 11. 1954 heißt es aber noch:

  •  Trinkwasser nicht vorhanden. Das für Reinigungszwecke und dgl benötigte Wasser  wird aus einem Laufbrunnen unterhalb der Schule herbeigeschafft.
  • Waschgelegenheit nicht vorhanden.
  • Es handelt sich um eine 2 – klassige Volksschule, z. Zt besuchen 66 Kinder die Schule. Die Zahl der vorhandenen Sitzplätze beträgt 95.
  • Unterricht wird durch 2 Lehrkräfte erteilt.

    03_03 Dachstock
    Dachboden im Schulhaus

 

Im ersten Stock des Schulhauses befand sich die Dienstwohnung des Hauptlehrers. Der 2. Lehrer hatte sein Zimmer manchmal im 1. Stock, manchmal im Dachgeschoß.

 

 

Das Aus der Schule in Enslingen 

Anfangs der 1970 er Jahre kam das Ende der Schule in Enslingen. Aus einem Protokoll der Gemeinderatssitzung vom 25. 3. 1971:

Durch die Krankheit von OL Punzet in Übrigshausen ergab sich Ende letzten Jahres die Notwendigkeit, den Lehrbetrieb in Übrigshausen einzustellen und die Schüler in Untermünkheim und Enslingen unterzubringen. …..

Beschluß: Die Gemeinde Enslingen stellt den Antrag auf Aufhebung ihrer Grundschule.

Das Staatliche Schulamt Schwäb. Hall verfügte schon am 16. 11. 1970  für den Bereich Untermünkeim, Übrigshausen und Enslingen:

Übrigshausen wird aufgelöst, Klasse 1 und 4 werden in Untermünkheim, Klasse 2 und 3 in Enslingen unterrichtet.

Für die Hauptschüler ( Kl 5 – 9 ) bestand damals ein Schulverbund mit der sog. EWG –Schule in Breitenstein ( EWG = Eltershofen, Weckrieden, Gelbingen ), wonach die Klassen 5 und 6 in Untermünkheim und die Klassen 7 – 9 in Breitenstein unterrichtet wurden.

Nach der Gemeindereform und nach dem Bau eines neuen Schulhauses in Untermünkeim 1975 wurden alle Klassen der Grundschule sowie die Klassen 5 und 6 in Untermünkheim unterrichtet.

Heute ist das ehemalige Schulhaus nach Renovierungen Bürgerhaus und die ehemalige Dienstwohnung des Lehrers wird von der evangelischen Kirchengemeinde zur Gemeindearbeit genutzt.

 

 

 

 

 

Quellen:

( 1 )   alte Akten 48 Kirchenarchiv Enslingen u. Bd 1

( 2 )   alte Akten 50     dto

( 3 )   alte Akten 47     dto

( 4 )   alte Akten  53    dto

( 5 )   alte Akten 52      dto

( 6 )   A 217 Gemeindearchiv Enslingen

( 7 )   A 211 Gemeindearchiv Enslingen

( 8 )   Kreisarchiv 1/512 SHA

Stadtarchiv SHA Lagerbuch 4/1652

( 9 )   alte Akten 54 Kirchenarchiv Enslingen

( 10 )  A 361 Gemeindearchiv Enslingen

 

 

 

Schule in Enslingen

 

In einer Ortsgeschichte darf ein Beitrag  zur Schule nicht fehlen.

Als Quellen dienten Akten aus dem Gemeindearchiv Enslingen, dem Archiv der evangelischen Kirche Enslingen, dem Kreisarchiv und dem Stadtarchiv von Schwäbisch Hall.

 

Anfänge

Schon während des Dreißigjährigen Krieges lässt sich eine Schule in Enslingen nachweisen.

Der Lehrer Leonhard Schenk wechselt 1635 nach Bibersfeld, wo er bald stirbt.

Johann Wolfgang Weber kam im selben Jahr von Hall, wechselt aber schon nach 3 Monaten nach Altdorf. Georg Krauss von Ehingen löst ihn ab.

Jakob Rappolt ( 24. August 1650 – 1. Mai 1687 ) unterrichtet eine lange Zeit in Enslingen.

Johann Joseph Gross, der Sohn eines Ratsherrn von Schwäbisch Hall, bleibt bis 1693.

Johann Ezechiel Seckel ( ab 11. Nov. 1693 ) und Kasper Müller ( ab 28. April 1696 ) sind die nächsten Lehrer.

Johann David Büher kommt 1725 von Schwäbisch Hall.

Friedrich David Vollas, ab 1770 im Dienst, wird am 23. November definitiv als Lehrer angestellt und wechselt später nach Thüngenthal.

Johann Friedrich Frey, der Sohn des Lehrers von Geislingen, unterrichtet ab 20. Juli 1799 in Enslingen.

Diese Lehrerliste ist wahrscheinlich nicht vollständig.

 

Vom Schullehrer Johann Friedrich Frey erfahren wir, was ein Schullehrer in Enslingen damals verdiente, welche Aufgaben er sonst noch hatte und nach welchen Büchern gelehrt wurde.

 

Schriftbild einfügen!

 

Auf Verlangen des S.T. Herrn Pfarrers Rüding in Enslingen hat Unterzogener folgendes Verzeichnis den Ertrag des Enslinger Schulmeisters betreffend gehorsamst aufsetzen sollen.

 

A        Von einem Hochedeln Magistrat der Stadt

Hall erhält ein zeitlicher Schulmeister zu Enß-

lingen  folgende Besoldungs Stücke:

1.)       An Geld Besoldung jährlich – – – –                                   16 Gulden

Zulage – – – – – – – – – – – – – – – – – – –                                       10 Gulden

Beedes wird von der Wohllöblichen  Ober –

land – Heiligen Pfleeg zu Hall bezahlt.

2.)       An Holz

4 Klafter Laubholz

200 Bund Reißig

dieses wird von dem Hochlöblichen Amt Kochen –

Eck in dem Herrschaftlichen Wald angewiesen.

Wofür aber ein zeitlicher Schulmeister von jeder

Klafter, wie auch von 100 Bund Reißig 52 bis 56 Kreuzer

Macherlohn bezahlen muß.

3.)       An Früchten jährlich                                                                                                        2 Scheffel Dinkel

1 Scheffel Korn oder 4 Vierling

beedes wird auf dem Kasten zu Hall gefasst.

4.)       Wegen Ausfertigung der Heiligen Rechnung

für die Altar-Tücher zu waschen, für Kirchweyh Geld

Lichter zur Uhr, Besen zur Kirch und Schulstube

zus. Jährlich von Wohllöblicher Oberland Kirch Pfleeg: 3 Gulden 21 Kreuzer

5.)       Von Wohllöblichem Bau – Amt jährlich zur

Uhr und Glocken  1 Pfund Baum – Öhl.

 

B        Von der Gemeind des Dorfs Enßlingen

1.)       Schul Geld von 50 Schülern Quartaliter

von jedem 12 Kreuzer thut über Winter auf

2 Quartal  – – – – – –                                                               20 Gulden

2.)       Messner Geld jährlich – – –                                                 2 Gulden 32 ½ Kreuzer

3.)       Sommer Schul Geld ohngefehr – – –                                 5 Gulden

4.)       Accdidentien jährlich ohngefehr – – –                               9 Gulden

5.)       2 Klafter Holz von Eichen

6.)       Ein Kraut Beet und eine ———Gras Boden

7.)       Ein kleines Sommer Gärtlein

8.)       Muß ein zeitlicher Schulmeister zu

Enßlingen alle 14 Tag mit dem Herrn

Pfarrer, oft bei dem schlimmsten Weg

Und Wetter, auf das nach Münkheim gepfarrte

Filial Übrigs – Hausen und alda

vor den geringen Lohn von 12 Kreuzern das

Gesang führen, welches jährlich beträgt:                     4 Gulden 30 Kreuzer

——————————–

Suma             70 Gulden 23 ½ Kreuzer

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Zahl der Schüler ist 50. Von welchen aber  8 dieses Frühjahr aus der Schule gelassen worden sind.

Die Bücher worüber in der Enslinger Schule gelehrt wird , sind folgende;

1.)       Das sogenannte Hällisch ABC oder Nahmen Büchl

zur Benennung der Buchstaben und Buchstabieren.

2.)       Die Psalmen, das Büchlein Sirachs, die Bibel und das

Schw. Hällische Gesang- Buch zum lesen.

3.)       Der kleine Katechismus Lutheri

4.)       Der vermehrte Katechismus oder der so genannte

dicke Hällische Katechismus beede zum auswendig lernen.

5.)       Lernen die Kleinen nach Vorschriften die Buchstaben

und gehörig zusammen sezen

6.)       Lernen die Größern nach Vorschriften und auch

Büchern schreiben, da ihnen hernach die Fehler

Gesagt, erklärt und corrigirt werden.

7.)       Lernen sie das Ein mal eins auswendig,

bey welchem ihnen auch dessen gebrauch

gesagt und anwendbar gemacht wird.

 

Enßlingen, den 27. April 1803

 

Johann Friedrich Frey

Schulmeister daselbst

 

Aus den Besoldungsbeschreibungen ist also ersichtlich, dass ein Schullehrer von der Herrschaft, der Gemeinde, der Heiligen Pfleg zu Hall und den Bürgern in Geld und Naturalien entlohnt wurde

In einem Schreiben vom 27.4.1805 wird um den Fuhrlohn gestritten, den die Gaisdörfer Bauern vom Schulmeister erhalten sollen für die Zufuhr von 2 Klafter Holz und 100 Wellen Reisig.

Dieser Fuhrlohn wurde vorher von der Herrschaft bezahlt und sollte jetzt vom Schullehrer bezahlt werden.

Das damals zuständige Stabsamt Rosengarten mit Sitz in Steinbach schlichtet schließlich – verpflichtet die Gaisdörfer, die verweigerten Fuhren zu leisten und den Schulmeister, den Fuhrlohn zu bezahlen.

Unterzeichnet auch von:

Schultheiß Laidig von Geistdorf

Schultheiß Obermüller in Enßlingen

Schultheiß Reichert in Schönenberg

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Schulaufsicht lag bei der Kirche.

Beurteilt wurden z.B. die Amtsführung in der Schule ( Kenntnisse, Lehrgeschick, Fleiß, Schulzucht ) und in der Kirche als Mesner, Organist und Vorsänger, ebenso seine sittliche Aufführung, sein Charakter, sein Benehmen gegen den Geistlichen und die Gemeinde.

Auszüge aus verschiedenen Visitationsberichten:

„Spricht und schreibt seine Muttersprache richtig.“

„Im Allgemeinen wird ihm das Prädikat mittelmäßiger Schulkenntnisse erteilt.“

„Er führt eine friedliche Ehe und ist ein treuer Familienvater.“

„Er kleidet sich anständig.“

 

Die Enslinger waren wohl nicht immer mit den Leistungen ihres Schulmeisters zufrieden und forderten „Einräumung des Wahlrechts auf ihren Schuldienst“.

Dieses wird ihnen aber nicht genehmigt. Zitat:

 

Ministerium des Kirchen – und Schulwesens

Königlich evangelisches Consistorium

Im Namen des Königs

Das gemeinschaftliche Ober Amt Hall hat die Gemeinde Enslingen mit ihrem Gesuch auf Einräumung des Wahlrechts auf ihren Schuldienst, das sie niemals besessen hat, ein für allemal abzuweisen.

Stuttgart, den 28. Mai 1826

 

Dass sich auch der Magistrat in Hall sorgte um den regelmäßigen Schulbesuch und die Einführung des neuen Katechismus, zeigt ein obrigkeitliches Dekret und landesväterliche Erinnerungen an die Untertanen auf dem Lande:

 

Abdruck:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

In einer Verfügung des Königlichen Ministeriums des Kirchen – und  Schulwesens vom 22. Mai 1880 über die Handhabung der Schulzucht in den Volksschulen ist in den §§ 7 – 9 die körperliche Züchtigung genau geregelt:

§ 7

Körperliche Züchtigung ist nur zulässig wegen beharrlichen Unfleißes oder gröberer sonstiger Verfehlungen, insbesondere solcher, in welchen boshafter Muthwille, Trotz, Widerspenstigkeit, Roheit, Frechheit, Impietät, Lügenhaftigkeit, Unredlichkeit, Schamlosigkeit oder andere Laster zu Tage treten.

Bei Mädchen soll die körperliche Züchtigung thunlichst vermieden werden.

Unter allen Umständen soll von der körperlichen Züchtigung ein mäßiger und vorsichtiger Gebrauch gemacht, die Eigenart des zu bestrafenden Kindes berücksichtigt und darauf sorgfältig geachtet werden, dass die Gesundheit desselben keinen Schaden leide.

Jede andere Art körperlichen Züchtigung, als die in § 8 und 9 bezeichnete, ist untersagt; namentlich dürfen die Schüler nicht auf andere Körpertheile, als nach § 8 und § 9 gestattet ist, z. B .nicht an und auf den Kopf, auf den Nacken, oder Rücken, auf die Fingerspitzen u. s. w. geschlagen, nicht an den Haaren gerauft oder sonst in irgend einer Weise körperlich misshandelt werden.

Die in § 8 und 9 festgesetzte Strafgrenze darf im Laufe eines Vormittags oder Nachmittags nicht überschritten werden; ebenso ist die Überschreitung derselben mittelst Vertheilung eines höheren Betrags auf mehrere halbe <Tage oder Tage unstatthaft.

Die körperliche Züchtigung darf nur im Schullokal und nur im freien Raum desselben, niemals aber innerhalb der Schulbänke vollzogen werden; die Schüler sind vielmehr zu diesem Zwecke jedes Mal besonders hervorzurufen.

 

§ 8

 

Die einfache körperliche Züchtigung besteht in Schlägen mit einem dünnen, etwas biegsamen, knotenfreien Stöckchen von mäßiger Länge auf die innere Fläche der Hand, deren Anzahl bei älteren Schülern nicht über vier, bei jüngeren und schwächeren nicht über zwei betragen darf.

Diese Strafe darf nur vom Lehrer selbst und nur in Gegenwart anderer Schüler vollzogen werden..

 

§ 9

 

Die geschärfte körperliche Züchtigung besteht

  1. in Schlägen mit einem dünnen, etwas biegsamen, knotenfreien Stöckchen

von mäßiger Länge auf die innere Fläche der Hand, deren Anzahl die in

§ 8 angegebene übersteigt, aber nicht über sechs betragen darf; oder

  1. in Schlägen mit einem ebensolchen Stöckchen auf das nicht entkleidete

Gesäß mit Vermeidung des Kreuzes, deren Anzahl nicht über 8 betragen

darf.

Die geschärfte körperliche Züchtigung ist nur bei Schülern, welche das zehnte Lebensjahr überschritten haben, und zwar die letztere Art ( Ziff. 2 )

nur bei Knaben zulässig. Auch darf die letztere Art der Züchtigung nur in Anwesenheit einer Aufsichtsperson stattfinden.

Die geschärfte körperliche Züchtigung soll in der Regel durch den Lehrer vollzogen werden, ausnahmsweise kann, wenn an der betreffenden Anstalt ein eigener Schuldiener angestellt ist, der letztere von der die Strafe verhängenden Behörde mit der Vollziehung beauftragt werden.

Die geschärfte körperliche Züchtigung kann vor der versammelten Schule vollzogen werden.

 

Ob dies in Enslingen häufig angewendet werden musste, ist nicht überliefert.

 

 

 

 

 

 

 

 

Schulgebäude

 

Als Schulhaus diente vor dem Jahr 1842 ein Gebäude, das an die Kirchmauer angelehnt war und in der Grundfläche nicht größer als etwa 54 m² war.

( s. Lageplan )

 

 

 

 

 

Im Jahr 1843  wurde dann ein neues Schulhaus erbaut an der Stelle, wo nach dem Lageplan das Haus des Schreiners Feuchter stand.

 

In der Schulstube für 92 Kinder sieht man schon die Aufteilung in Ober- und Unterklasse. (s. Plan )

 

 

 

 

Zwischen 1860 und 1900 hatte die Gemeinde Enslingen (Enslingen, Gaisdorf und Schönnenberg ) zwischen 530 und 575 Einwohner und zwischen 60 und 100 Schüler. Z. B. im Jahr 1883:

Ort                              Einwohner               Familien                   Schüler

 

Enslingen                 378                             62                               59

Gaisdorf                    110                             16                               15

Schönenberg           84                               11                               18

572                             89                               92

 

Im Jahr 1906 wurde der Treppenaufgang angebaut und somit Platz geschaffen für ein zweites Schulzimmer im EG. Auch eine Toilette für die Schüler und eine Waschküche wurde gebaut. Dieses Gebäude wurde 1952/53 abgerissen und erneuert.

In einer „Übersicht über das Ergebnis der amtsärztlichen Besichtigung“ der Volksschule Enslingen vom 23. 11. 1954 heißt es aber noch:

-Trinkwasser nicht vorhanden. Das für Reinigungszwecke und dgl benötigte

Wasser wird aus einem Laufbrunnen unterhalb der Schule herbeigeschafft.

–          Waschgelegenheit nicht vorhanden.

–          Es handelt sich um eine 2 – klassige Volksschule, z. Zt besuchen 66 Kinder die Schule. Die Zahl der vorhandenen Sitzplätze beträgt 95.

–          Unterricht wird durch 2 Lehrkräfte erteilt.

 

Im ersten Stock des Schulhauses befand sich die Dienstwohnung des Hauptlehrers. Der 2. Lehrer hatte sein Zimmer manchmal im 1. Stock, manchmal im Dachgeschoß.

 

 

 

 

 

 

 

Anfangs der 1970 er Jahre kam das Ende der Schule in Enslingen.

Aus einem Protokoll der Gemeinderatssitzung vom 25. 3. 1971:

Durch die Krankheit von OL Punzet in Übrigshausen ergab sich Ende letzten Jahres die Notwendigkeit, den Lehrbetrieb in Übrigshausen einzustellen und die Schüler in Untermünkheim und Enslingen unterzubringen. …..

Beschluß: Die Gemeinde Enslingen stellt den Antrag auf Aufhebung ihrer Grundschule.

Das Staatliche Schulamt Schwäb. Hall verfügte schon am 16. 11. 1970  für den Bereich Untermünkeim, Übrigshausen und Enslingen:

Übrigshausen wird aufgelöst, Klasse 1 und 4 werden in Untermünkheim, Klasse 2 und 3 in Enslingen unterrichtet.

Für die Hauptschüler ( Kl 5 – 9 ) bestand damals ein Schulverbund mit der sog. EWG –Schule in Breitenstein ( EWG = Eltershofen, Weckrieden, Gelbingen ), wonach die Klassen 5 und 6 in Untermünkheim und die Klassen 7 – 9 in Breitenstein unterrichtet wurden.

Nach der Gemeindereform und nach dem Bau eines neuen Schulhauses in Untermünkeim 1975 wurden alle Klassen der Grundschule sowie die Klassen 5 und 6 in Untermünkheim unterrichtet.

Heute ist das ehemalige Schulhaus nach Renovierungen Bürgerhaus und die ehemalige Dienstwohnung des Lehrers wird von der evangelischen Kirchengemeinde zur Gemeindearbeit genutzt.

 

 

 

 

 

Quellen:

( 1 )   alte Akten 48 Kirchenarchiv Enslingen u. Bd 1

( 2 )   alte Akten 50     dto

( 3 )   alte Akten 47     dto

( 4 )   alte Akten  53    dto

( 5 )   alte Akten 52      dto

( 6 )   A 217 Gemeindearchiv Enslingen

( 7 )   A 211 Gemeindearchiv Enslingen

( 8 )   Kreisarchiv 1/512 SHA

Stadtarchiv SHA Lagerbuch 4/1652

( 9 )   alte Akten 54 Kirchenarchiv Enslingen

( 10 )  A 361 Gemeindearchiv Enslingen